SPRECH-Nachrichten, 10. Aug. 2015

Leitartikel: „Artikulieren Sie sich!“

Wer über innere Klarheit verfügt, drückt sich auch klar und deutlich aus.

Klare Botschaften – klare Ansagen – klare Sprechweise

Maulfaulheit ist den Pubertierenden vorbehalten. Halbstarke dürfen kaugummiverklebte Halbsätze bellen. – Sie sind Ausdruck ihrer Orientierungslosigkeit und ihrer Verachtung gegen die regulierte Erwachsenenwelt. So soll es sein.

Wer aber erwachsen ist, einen Weg eingeschlagen hat, wer sich schon zu einer Haltung durchgerungen und Entscheidungen gefällt hat, wer über eine innere Klarheit verfügt, drückt sich auch klar und deutlich aus. Der wunderbare Effekt davon ist, dass man damit - allein durch seine Sprechweise - auch anderen eine Orientierung zu geben vermag. Vernuschelt oder verschluckt man jedoch Wort- oder sogar Satzteile, bzw. ersetzt einzelne Laute durch bequemere, signalisiert man damit, dass man nicht Klartext reden kann.

Deshalb ist Artikulation das (Sprech-)Werkzeug der Führungskräfte.

Aber wie kann man lernen, klar und bestimmt zu klingen, wenn man in bestimmten Situationen zu zaghaft, zu kompromissbereit oder zu unsicher ist?

Das Zauberwort heißt: Konsonantierung. Die Konsonanten sind die Informationsträger unserer Sprache und erleichtern dem Gesprächspartner das Zuhören enorm. Wer ein t ein p oder ein k deutlich spricht, ein m ein w oder ein n genüsslich klingen lassen kann und die weichen b und d nicht vermurmelt, dessen Botschaften werden gehört, verstanden und gemerkt. Um ein Gefühl für die klare Lautung zu bekommen und die faule Artikulations-Muskulatur zu trainieren gibt es eine Vielzahl von netten Übungen. – Ja! :-) Fitness macht auch vor den Sprechwerkzeugen nicht halt!

„Moagn!“, „Ich kannich komm.“, „Liewe Midaweidda un Midaweiddarinn’n!“, „Dafich umm späddan Deamin biddn?“ So oder so ähnlich würde sich mangelhafte Lautbildung orthografisch darstellen. Es liest sich sehr schwer. Beim Hören ergänzt unser Gehirn das Fehlende und korrigiert das Falsche, um verstehen zu können. Dafür braucht es Zeit und Energie, denn Hören ist nicht gleichzusetzen mit Verstehen. Unsere Ohren hören etwas Gesprochenes (sehr selten vollständig – auch weil es noch andere interne und externe Störquellen gibt), leiten es weiter an die Hörverarbeitung, wo unser „Rechner“ das Gehörte deutet und mit Bekanntem vergleicht, und schließlich verstehen wir, was wir anhand unserer Erfahrungswerte verstehen können. Wir hören selektiv und wir verstehen subjektiv. … Also alles andere als gute Voraussetzungen für die verbale Kommunikation.

Je leichter wir es den anderen Ohren und Gehirnen also machen, umso eher werden unsere Aussagen so ankommen, wie wir es gerne hätten. Denn das ist die nächste Krux an lahmen oder beiläufigen Aussagen: sie werden lahm und beiläufig wahrgenommen. Oder unsicher. Oder hastig und unwichtig. … Aber ist nicht alles was Sie sagen wichtig? Wollen Sie auf Ihre eigenen Worte nicht so viel Wert legen, wie ihnen zusteht? Ein wenig provozierend aber sehr wohlwollend stelle ich fest: Warum sollten die anderen Ihren Botschaften Bedeutung beimessen, wenn Sie selbst es nicht tun?

Wahrscheinlich kennen Sie das von sich selbst: je bestimmter Sie werden, umso deutlicher sprechen Sie. Sie können es stufenweise beobachten. Vom halbherzigen: „Wia könnn ja zm Idaliena geen!?“, zum stärkeren „Wieso brennt in der Küche schon wieder das Licht?“ bis zum sehr eindeutigen: „SSSo etwas Un:er:hörtes habe ich noch nnie gehört!“

Dieses Vermögen können Sie sich zunutze machen. Nehmen Sie die klare Artikulation und paaren Sie sie mit Wohlwollen! So können Sie gleichzeitig bestimmt UND freundlich klingen – also den anderen wertschätzen, ohne die eigene Position zu schwächen. „Ich weiß, es wird phan:tas:tisch!“

Probieren Sie es aus! Ich bin überzeugt, es wird Ihnen Freude bereiten.

Sprechtrainerin Petra Maria Berger: "Darüber freuen wir uns." (Foto: www.weinfranz.at)

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